» Nuhr die Ruhe

Nu(h)r die Ruhe in Halle 7

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Dieter Nuhr zu Gast in Bremen (Foto: S. von Salzen)

Dieter Nuhr zu Gast in Bremen (Foto: S. von Salzen)

Dieter Nuhr gilt als der Intellektuelle unter den Comedians und machte auf seiner aktuellen Tour Station in der Halle 7. Vor voll besetzten Rängen sorgte er in seiner typischen Art für zwei Stunden sensationelle Unterhaltung und bewies gleichzeitig, dass sich Intelligenz und Humor sehr gut miteinander verbinden lassen. Wenn Dieter Nuhr die Bühne betritt, heisst es “Nu(h)r die Ruhe!” Bereits nach kurzer Zeit wird klar: Der Name ist Programm. Keine Pyrotechnik, keine bunte Lightshow, einfach nur Nu(h)r! Das Publikum ist gespannt…

In seinem Programm macht er sich intensiv Gedanken um die Menschen, und nimmt gekonnt die multimediale Sensationsberichterstattung über Krisen und Katastrophen und die daraus oft resultierende negative Sichtweise der Menschen in Deutschland auf die Schippe. Wer sonst würde bei der Schlagzeile “Morgen Weltuntergang um 13.31Uhr” zwar sofort eine Zeitung kaufen, aber sich direkt danach ärgern, dass der Weltuntergang ausgrechnet in der Mittagspause stattfinden muss? Er sagt von sich selbst, er habe schon viele Katastrophen erlebt: Waldsterben, Ozonloch, Rinderwahn, Klimakatastrophe, wie aus der Vogelgrippe die Schweingrippe wurde, und sei daher zu richtiger Panik nicht mehr in der Lage. Er ist sich sicher: Die Welt wird untergehen, aber erst in ein paar Millionen Jahren. Nu(h)r die Ruhe!

[smooth=id: 103;]Dieter Nuhr live in Halle 7 // Fotos: Stephan von Salzen
 

Bei seinem Streifzug durch Menschheitsgeschichte und Weltgeschehen treibt er politische Themen, aber auch alltägliche Probleme mit Wortwitz und gekonnter Rethorik auf die Spitze und strapaziert damit die Lachmuskeln seines Publikums. “Im Zeitalter der ersten Eisenbahnen wurde prophezeit, dass die neue Geschwindigkeit die Menscheit in den Wahnsinn treiben wird. Das waren immerhin 25km/h.” – Heute sieht er diese Prophezeihung bestätigt: “Wen hat das Tempo der Bahn nicht schon einmal in den Wahnsinn getrieben?” Dieter Nuhr philosophiert über Gerechtigkeit (“Die Regeln werden immer von den Ungerechten gemacht.”) und erklärt, warum Gott, wenn er existiert, ein Mann sein muss. Die Antwort gibt es mit einem Schmunzeln: “Sonst würde er zu uns sprechen!”

Hochintelligent und saukomisch. Einfach nu(h)r genial! Dieter Nuhr hat uns einen heiteren und entspannten Abend geschenkt. Euch auch? Dann schreibt uns doch Eure Meinung zu dem Event unter unseren Artikel.
 

Dieter Nuhr behält einfach "Nuhr die Ruhe"

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Dieter Nuhr sorgt für gute Stimmung (Foto: Michael Groen)

Dieter Nuhr sorgt für gute Stimmung (Foto: Michael Groen)

Überall Hektik – Nuhr einer behält die Ruhe. Dieter Nuhr blickt in seinem Programm wieder einmal von außen auf die Welt. Und er stellt fest: Panik muss nicht sein. Fakt ist: Die Welt geht unter. Der Vorteil: Es könnte mit ein bisschen Glück noch ein paar Millionen Jahre dauern – wenn nicht ein herum rüpelnder Meteorit die planetarische Verkehrsordnung ignoriert und uns bei Rot in die Seitentür rasselt. Am 1. November gastierte Dietern Nuhr nun mit seinem neuen Programm “Nuhr die Ruhe” nun in der Oldenburger Weser-Ems-Halle.

Ob Klima-, Banken- oder Ehekrise, am Ende liegt man auf dem eigenen Grundstück unter einem schönen Stein und fragt sich: Warum hab ich mich damals eigentlich aufgeregt? Kein Grund zur Beunruhigung also. So ist halt das Leben: Man kommt zur Welt, regt sich auf und kommt oft erst durch das Ableben wieder richtig zur Ruhe.

Eine Gesellschaft, deren Ideal die Coolness ist, lebt in Dauerhysterie. Hektik ist zwar gut für die Einschaltquoten, aber schlecht für den Blutdruck. Und selbst eine Staatsverschuldung, die mehr Nullen enthält als die Bundesregierung, muss kein Grund zum Unmut sein.

Machen wir uns klar: Der Mann hat als großer Gestalter der Geschichte versagt, verbringt indessen einen Großteil seiner Zeit trinkend unter dem Bettvorleger und gilt unter Damen als niedere Samen streuende Lebensform. Die Zeit der Macher ist vorbei. Jetzt kommen die Schwätzer und Schwätzerinnen. Darüber muss geredet werden…

Nuhr ist für Comedy nicht blöd genug und fürs Kabarett zu lustig. Seine Programme stehen unter Sinnverdacht und konnten Vorwürfe der Intelligenz nie widerlegen. Er ist ein Grenzgänger in Sonderstellung. Und der Träger des IQ-Preises belegt auch mit seinem neuen Programm, dass sich Geist und Witz nicht ausschließen.

[smooth=id: 19;]Dieter Nuhr live in der Weser-Ems-Halle Oldenburg // Fotos: Michael Groen
 

Nuhr setzt der real existierenden Freudlosigkeit unserer Kulturschaffenden eine neue Form der Kunst entgegen: die tiefsinnige Weltbetrachtung, die den Heulsusen dieser Welt vorhält, dass es ein Leben vor dem Tod gibt. Nuhr hält Lebensfreude für eine Bürgerpflicht, wenn man das große Glück hat, in einer Hochkultur wie der unseren aufzuwachsen. Schließlich leben wir in einem Land, das alles bietet, was man braucht, um dem Tod ein paar Jahrzehnte lang die Stirn zu bieten: Freiheit, Kunst und Schmerzmittel. Wenn Popkultur der Gegenpol zum kulturellen Negativismus ist, dann ist Nuhr ein Popstar erster Güte – und ein großer Künstler dazu!

Nuhrs Erfolgsrezept: Es wird weder rumgeheult, noch werden die üblichen Standpunkte dahergebetet. Nuhr verspritzt keinen Geifer, nervt nicht mit dümmlichen Heilungsversprechen, Glücksgarantien oder depressivem Genörgel. Und er verzichtet auf ideologische Zurechtweisungen. Bei ihm gibt es nicht mehr und nicht weniger als zwei Stunden verquere Gedanken zur Zeit, die alles in Frage stellen und trotzdem Spaß machen – hochintelligent und saukomisch.

Es war ein toller Comedy Abend mit Dieter Nuhr in Oldenburg, an den wir uns sicherlich noch lange erinnern werden. Zum einen natürlich wegen dem genialen Programm, nicht zuletzt aber auch wegen der detailverliebten Beschriftung auf unserer Tüte vom Merchandising-Stand “Nuhr in die Tüte” … die bekommt in der CITYSHAKE Redaktion einen Ehrenplatz.